Terrarium

Kann man Weinbergschnecken im Terrarium halten?

Diese Frage wird uns sehr häufig gestellt und es ist höchste Zeit, diesem Thema eine Extra-Seite zu widmen.

Die Antwort lautet: ja, aber....

Folgendes ist zu bedenken:

Sozialverhalten:

Weinbergschnecken sind gesellig und liebestoll. Es wäre ziemlich grausam, einer Schnecke das zu verweigern, was sie besonders gerne und ausgiebig macht: Liebe! Also keine Einzel-Haltung. Hat man zwei Schnecken, hat man auch mit Sicherheit ein Pärchen, denn sie sind Zwitter, d.h. jedes Tier ist sowohl männlich als auch weiblich. Das Liebesspiel ist faszinierend zu beobachten, und die Folgen zeigen sich meist nach ca. 2 Monaten in Form von kaum zu bändigendem Nachwuchs. Junge Weinbergschnecken (30 bis 50 pro Gelege) sind besonders niedlich. Sie sprengen aber sehr bald die Kapazität des Terrariums. Man muß also von Anfang an wissen, wo man die Tierchen (schon nach einem Monat) freilassen kann, ohne daß es deren sicheren Tod bedeutet. Also ein Garten oder ein Waldrand. Am besten ist ein Biotop, in dem man bereits Schnecken gesichtet hat oder wo die Eltern herstammen. Das bedeutet in der Praxis, daß man im Laufe eines Jahres einige hundert Schnecken hätte. Im Terrarium halten sie normalerweise keine Winterruhe, und dann wird auch rund ums Jahr geliebt. Man muß also die Gelege “entsorgen”, was wohl selbst von Tierschützern nicht unbedingt als Tierquälerei eingestuft wird. Sind erst mal die kleinen Schneckchen geschlüpft und es ist Winter, dann hat man ein echtes Problem. Im günstigsten Fall sind die fittesten schon nach 6 Monaten geschlechtsreif und vergeuden dann keine Zeit mit Abitur.

Aquarium statt Terrarium:

Ein Aquarium 30x30x60 ist besser geeignet und billiger als ein Terrarium mit Schiebetüren und anderem Firlefanz. Sitzt eine Schnecke an der Schiebetür, kann man sie nicht aufmachen. Der Zugang muß von oben erfolgen. Fragen Sie in der Zoohandlung nach einem Aquarium mit Glas-Stegen, diese erschweren den Schnecken das Erklettern der Abdeckung.

Die Scheiben müssen häufig gereinigt werden, und ein Plastikterrarium sieht dann bald sehr trüb aus. Einen (Stülprand)-Deckel bastelt man sich selbst. Das geht sehr einfach mit 1x1cm Maschendraht (grün plastifiziert, in jedem Gartencenter/Baumarkt erhältlich). Diesen Draht kann man sogar mit einer Küchenschere schneiden. In guten Fachgeschäften sollte es aber auch eine Terrariumabdeckung für Aquarien zu kaufen geben. Es gibt auch passende Kunsstoffrahmen, die normalerweise als Basis gedacht sind. Damit kann man auch eine gute Abdeckung basteln.

Wenn es im Terrarium  Jungschnecken gibt, muß man es mit Gardinen-Tüll, Gaze oder einem ähnlichen feinmaschigen aber luftdurchlässigen Stoff abdecken und drüber den Deckel stülpen.

Optimale Befeuchtung (mit Pflanzen-Sprühflasche) und gute Belüftung müssen sich die Waage halten.

Handhabung von Gehäuseschnecken

Wenn eine Schnecke auf einem glatten Untergrund sitzt, dann entwickelt sie eine erstaunliche Haftkraft. Das gilt besonders bei Glasscheiben. Oft wird der Fehler gemacht, daß man einfach kräftig am Gehäuse zieht, bis sie mit einem hörbaren “Plopp” abgeht. Das tut der Schnecke weh und sie kann dabei auch ernsthaft verletzt werden. Wir verwenden dazu das Verfahren “feuchter Löffel”. Besonders gut geeignet sind die billigen und dünnen Einweg-Plastiklöffel. Hat man ihn mit Wasser befeuchtet, kriecht die Schnecke meist schon freiwillig darauf und wenn nicht, kann man damit vorsichtig unter den Fuß fahren (vom Kopf her ist besser als von hinten) und sie schonend ablösen. Eine Schnecke, die Schaum produziert oder gar das Gehäuse hin und herwirft, ist zu Tode erschrocken und setzt ihre einzige verfügbare Abwehr ein.

Nie mehr Urlaub?

Der Pflegeaufwand ist größer als man vermutet. Altes Futter muß entfernt werden, bevor es fault oder schimmelt (möglichst täglich). Schnecken-Kot (vom Hersteller hygienisch in einer Art Schnur mit Pelle verpackt und nicht ekelig) muß  täglich entfernt werden. Das geht ganz einfach mit Toilettenpapier. Die Kotschnüre haften daran wie von selbst.

Die Reinigung der Glasscheiben muß unbedingt chemiefrei gemacht werden, also weder Spüli oder Fensterputzmittel verwenden. Karin bevorzugt dazu Frottee-Microfasertücher und Glaspoliertücher.

Man kann die Pfleglinge in einem Terrarium notfalls  auch mal 2 Tage unbetreut lassen. In der Zeit von April bis September kann man aber Schnecken in der Natur freilassen, ohne daß sie durch die Terrarienhaltung das Überleben verlernt hätten. Mit etwas Glück findet man einige davon nach dem Urlaub an selben Ort wieder, denn sie sind ziemlich ortstreu. (s. “Markierung von Schnecken” auf der Seite “Häufige Fragen”).

Hier ein Ratschlag  aus unserem Gästebuch:

Weinbergschnecken können im Extremfall ohne Probleme 14 Tage ohne Futter und ohne Wasser überleben. Sie verschließen dann die Haustüre mit einem Häutchen, das die Austrocknung minimiert und sie fallen in eine Art Sommerschlaf. Es wäre aber gut, wenn Du ein Tellerchen mit Wasser ins Terra stellst. Ein kleiner Futtervorrat (Brennesseln, Sonnenblumen- u- Löwenzahnblätter, nicht zu viel wegen Schimmelbildung) ist auch sinnvoll. Vor der Abfahrt noch mal schön feuchtsprühen und dann brauchst Du Dir keine Sorgen zu machen. Das kann man mit keinem anderen Haustier machen und sollte auch bei Weinbergschnecken nur eine Notlösung sein.

Sinn und Zweck:

Weinbergschnecken sind kein Spielzeug für kleine Kinder. Andererseits sind sie bestens geeignet, den behutsamen Umgang mit zerbrechlichen Lebewesen (unter Anleitung) zu erlernen. Kinder, die diese Erfahrung gemacht haben, sind lebenslänglich feinfühlig und tierlieb. Auch für ein krankes Kind kann die Gesellschaft einer Weinbergschnecke ein Segen sein.

Erwachsene Menschen, die sich eine gewisse Sensibilität bewahren konnten, profitieren aber auch noch von der Beobachtung dieser außergewöhnlichen Tiere. Sie zwingen uns regelrecht zum Nachdenken und geben unserem Leben dadurch mehr Sinn.

Haben wir ein Recht dazu?

Weinbergschnecken sind, so glaube ich, die einzigen Wildtiere, die der Mensch bei sich zu Hause in allen Lebenslagen beobachten und dann unbeschadet wieder freilassen kann. In der freien Natur haben sie zwar einen abwechslungsreicheren Speisezettel, auf dem aber auch oft Hunger und Durst steht, jedoch ist das Leben auch insgesamt wesentlich riskanter. Es wird von einer Laborschnecke berichtet, die im Terrarium über 30 Jahre alt wurde. In der Natur lebt eine Weinbergschnecke, wenn sie Glück und fleißige Schutzengel hat, im Schnitt 5-6 Jahre.

Die Einrichtung des Terrariums

Erde

Der Boden des Terrariums muß mindestens 10 cm hoch mit Erde bedeckt sein. Daraus ergibt sich dann auch schon die maximale Terrariumgröße, denn die Erde ist schwer. Die Abdeckung muß ausreichende Ventilation gewährleisten, um Schimmelbildung zu vermeiden. Das ist nicht ganz einfach, denn Schnecken lieben Feuchtigkeit. Zu viel Feuchtigkeit begünstigt Schimmel. Die Schnecken benötigen die Erde, um ihre Eier ablegen zu können. Außerdem fressen sie Erde (besonders die Kleinen), um Kalk aufzunehmen. Wenn eine Schnecke sich eingräbt, ist sie entweder am Üben oder sie baut eine Legehöhle.  Die Erde verschleimt mit der Zeit immer mehr und muß spätestens nach 6 Monaten erneuert werden. Man kann auch von Zeit zu Zeit durch “Umgraben” die Erde aufbessern und dabei ggf. Gelege “entnehmen”.

Dunkle, humushaltige Erde, also handelsübliche Blumenerde, ist ungeeignet.  Lehmige Erde ist in Ordnung, wenn sie nicht allzu schwer und klebrig ist. Eine Beimischung von Sand verbessert sie. Ackerboden ist heutzutage zu sehr mit Chemikalien und Düngemittleln belastet. Bio-Bauer-Ackerboden ist meist mit Fäkalien belastet. Waldboden unter Nadelhölzern und Eichen wird von Schnecken gemieden (saure Böden allgemein).

Erde von Maulwurf-Hügeln hat sich bei uns sehr bewährt. Der Maulwurf hat sie mit dem Siegel “biologisch/ökologisch” getestet versehen, aufgelockert und auf Halde bereitgelegt. Wenn Ihnen in der Umgebung von Würzburg eine zierliche Frau mit zwei schweren Eimern voll Erde begegnet, im Wald oder in der Straßenbahn, dann ist das unsere Schneckenfreundin Heike Pauline. Sie ist ein warnendes Beispiel, das zeigt, wie weit es kommen kann, wenn man schneckensüchtig wird. 

Bepflanzung

2 bis 3 Mini-Efeu-Pflänzchen im Terrarium sind nach unserer Erfahrung ideal.  Sie sind preiswert, anspruchslos und die Schnecken fressen sie nicht. Es sieht hübsch aus, die Schnecken bleiben sichtbar und man gibt ihnen dennoch das Gefühl, daß sie vor Vogel-Blicken geschützt sind. Wurzeln vorher sorgfältig ausspülen, um mögliche Kunstdüngergaben zu entfernen.

Zubehör

Turngeräte brauchen die Schnecken auch noch, denn sonst würden sie nur die Wände hochgehen. Gut geeignet sind dazu mit Flechten und Algen bewachsene Zweige von alten Apfelbäumen oder Baumrinde. Auch Mangroven-Wurzelholz, wie im Zoohandel erhältlich, ist geeignet. Dürres Ahorn-Laub ist ideal. Es dient zum Verstecken, Klettern, als Feuchtigkeits-Speicher und Verdunstungsfläche zugleich und wird außerdem gegessen, wenn es schon sehr dunkel, beinahe verrottet aussieht. Es schimmelt nicht und kann sogar unter fließendem Wasser gewaschen und wiederverwendet werden. Wir empfehlen dringend im Herbst einen Sack voll einzusammeln und trocken zu lagern. Das reicht dann bis zum Frühjahr. Sepia-Schalen, Marmor- oder Jurakalksteine sorgen für ausreichend lebenswichtigen Kalk und runden die Wohnungseinrichtung ab. Schnecken sind von Natur aus exhibitionistisch veranlagt und stellen sich gerne in aufreizenden Posen für Fotos zur Schau (auf Laufsteg oder Siegertreppe, siehe z.B. unsere Seite Postkarten )   

 

Futter

In Sachen Futter sind Schnecken alles andere als anspruchsvoll. Dennoch scheint es große Unterschiede in den Vorlieben zu geben. Bei unseren Tieren sind Karotten (geschält und in Längsrichtung geviertelt!) der Renner. An zweiter Stelle kommen Kohlrabiblätter. Jungtiere bevorzugen Eisbergsalat (vor allem die grünen, äußeren Blätter).  Löwenzahn findet bei uns wenig Anklang. Das gilt auch für Äpfel, Tomaten und Gurken. Junge Zucchinis werden auch von Baby-Schnecken gern gegessen. In freier Natur lebende Weinbergschnecken “weiden” an Steinen, Wänden und Ästen den Algen- und Flechtenbewuchs ab. Brennesseln (Achtung: Brennesseln schimmeln leicht) und viele andere Unkräuter fressen sie am liebsten schon etwas verrottet. Weinbergschnecken sind daher auch, im Gegensatz zu den Nacktschnecken, keine ernstzunehmenden Gartenschädlinge.

 

Schneckenfeinde

Eine solche naturnahe Erde lebt, im Gegensatz zu Substraten, wie man sie  uns in Terraristik-Geschäften empfehlen würde. Regenwürmer, Kellerasseln wie auch die meisten Kerbtiere sind unbedenkliche Mitbewohner. Unter den Tausendfüßlern gibt es einige Arten, die Schnecken mit Gift lähmen und dann auffressen. Also vorsichthalber alles was mehr als sechs Beine hat, rausschmeißen. Acht Beine hat auch der schlimmste Feind der Weinbergschnecke. Eine Milbe mit dem wissenschaftlichen Namen “Riccardoella limacum”. Sie ist eine nahe Verwandte der Spinnen und Zecken,  nur 1 Millimeter groß besiedelt sie zu Dutzenden die Atemhöhle der Schnecke, und wenn ihr Immunsystem nicht topfit ist, bringen sie das Tier im Laufe von Wochen und Monaten um. Das Thema ist umfangreich und wenig erforscht. Wir haben uns 2003/2004 intensiv damit befaßt, recherchiert und alles Mögliche probiert, wir waren machtlos. Schneckenzüchter lösen das Problem durch schnellstmögliche Verarbeitung zu Gourmet-Futter.

 

Weitere Fragen z.B. zur Ausstattung, Fütterung, Kalkversorgung usw. sind auf der Seite Häufige Fragen beantwortet.