Schneckenkönig

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Mosel_s
Mogli_s

König Pfingstibus von der Mosel

2003 zu Pfingsten von Familie Schneck gefunden

König Mogli von der Lahn

2004 bei uns im Terrarium zur Welt gekommen

Spiegelbilder, oder was?

Nein, ganz einfach, eine der beiden Schnecken ist ein Schneckenkönig.

Auf dem oberen Foto versucht König Pfingstibus (rechts im Bild) verzweifelt (aber vermutlich erfolglos), eine Dynastie zu gründen.

Auf dem unteren Foto straft König Mogli von der Lahn (links im Bild) eine “bürgerliche” Normalschnecke mit Verachtung.

Als Schneckenkönig bezeichnet man ein Exemplar, dessen Gehäuse genau umgekehrt gewunden ist, als das seiner Artgenossen.

Gibt es denn so was? Wer sich ein wenig mit Bildbearbeitunngs-Software auskennt weiß, daß es keine Kunst ist ein Foto zu spiegeln und so einen Schneckenkönig hervorzuzaubern. Die hier gezeigten sind aber keine virtuellen, sondern echte Schneckenkönige.

Lebende Exemplare sind  aber sehr, sehr selten. Die Angaben in der Fachliteratur schwanken von 1 unter 10.000 bis zu 1 unter 10.000.000 normalen Weinbergschnecken. Tote Könige (also deren Gehäuse) sind relativ häufig in Museen oder in den Vitrinen der Conchilien-Sammler zu finden.

Umso unglaublicher erscheint alles, was wir hier berichten.

Die Geschichte des Königs Pfingstibus ist schon ein erstaunlicher Zufall, aber das Auftauchen von König Mogli grenzt fast an ein Wunder.

Fangen wir aber von vorne an:

Als wir im Juni 2003 eine E-Mail erhielten, in der man uns über den Fund eines Schneckenkönigs informierte und um Rat zur Terrarienhaltung bat, war der Absender ein Herr “R. Schneck” aus einem Ort an der Mosel in der Nähe von Trier.

“Das kann doch nur ein Scherz sein”, war unsere erste Reaktion.

Es war kein Scherz, sondern einer der unwahrscheinlichen Zufälle.

Der Familienname der  Finderin ist wahrhaftig “Schneck”. Frau Schneck ist zugegebenermaßen vom Namen her prädestiniert und schaut sich vielleicht auch wachsamer als andere ihre tierischen Verwandten an. Die Wahrscheinlichkeit einen Schneckenkönig zu finden, ist fast so gering wie ein Lottogewinn.

Familie Schneck richtete ein Terrarium ein. Damit der König nicht traurig würde, besorgten sie auch eine normale Weinbergschnecke als Gesellschafterin. Da Schnecken gerne und oft die schönsten Seiten des Daseins genießen, wurden die beiden schon nach einer Woche intim.

Wenn lebende Schneckenkönige schon selten sind, kann man sich ausrechnen, daß es wohl kaum aussagekräftige Fotos von einem König bei der Liebe gibt. Als Familie Schneck uns telefonisch informierte, war “Nichts wie hin” unsere spontane Antwort. Eine Entfernung von 150 km konnte uns nicht davon abhalten. Da Schnecken nicht nur langsam kriechen, sondern auch langsam und ausdauernd lieben, fanden wir die beiden auch noch bei dem typischen, zärtlichen Liebesspiel vor.

Ein Schneckenkönig trägt aber nicht nur die Gehäusespitze, sondern auch alles andere, was sonst rechts ist, auf der linken Seite. Für die Begattung ist das ein ausgesprochen technisches Problem. Etwa so, wie wenn man einem einarmigen Linkshänder die rechte Hand geben will.

Das ist auch einer der Gründe, warum es so wenige Schneckenkönige gibt. An dieser Stelle noch eine Erklärung für diejenigen, die direkt auf diese Seite gekommen sind: Weinbergschnecken sind Zwitter. Also jedes Tier ist sowohl männlich als auch weiblich. Wenn es gelänge, einen zweiten Schneckenkönig zu finden, könnte man davon ausgehen, daß die Paarung klappt. Daß unter deren Nachwuchs dann ein Schneckenkönig vorkommt, wäre wahrscheinlicher, als in allen anderen Fällen. Die Ermittlung der Wahrscheinlichkeitsrate wäre eine interessante Untersuchung, die unseres Wissens nach (wenigstens in jüngster Zeit) niemand durchgeführt hat.

Noch interessanter sind die, die genetischen Ursachen, denn auch beim Menschen gibt es merkwürdige rechts-links-Umkehrungen, wie z.B. das Herz auf der rechten Seite. Diese Seitenverkehrtheit “Situs inversus” ist auch als “Kartagener Syndrom” bekannt. Das wußten wir damals (2003) natürlich alles nicht und wir starteten die Aktion

“Deutschland sucht einen Schneckenkönig”

Es meldete sich aber niemand, was eigentlich auch zu erwarten war. Leider starb dann auch noch der König Pfingstibus im Herbst 2003 und wir begruben damit auch unsere Hoffnungen, jemals wieder einen lebenden Schneckenkönig zu sehen. 

Da ließen sich die “Schneckengötter” etwas einfallen und lieferten uns einen kleinen König sozusagen "frei Haus", zusammen mit dem Verdacht, daß es sich um einen schier unglaublichen Zufall handelt. Was war passiert?

Wir sehen in den Weinbergschnecken eine ideale Symbolfigur, die durch die
Spiralform und ihre Wesensart zum Nachdenken anregt. In besonderer Weise trifft das auf den Schneckenkönig zu. Das Phänomen der Seitenverkehrtheit ist zwar selten, aber auch unter anderen Lebewesen vertreten. So auch beim Menschen. Wer das Herz auf der rechten Seite hat, trägt es nicht am “rechten Fleck” und ist darüber oft auch nicht glücklich, denn meist sind diese Menschen gesundheitlich beeinträchtigt. Mehr dazu unter:
Kartagener-Syndrom.